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Weiterrauchen

Eine beachtliche Minderheit bleibt freiwillig der Zigarette treu. Die Gründe sind vielfältig:

Sie wollen erst einmal Übergewicht verlieren. Erst wenn die Diät gelungen ist, setzen sie sich dem nächsten Laster auseinander.

Sie haben auch so schon Stress genug.

Es ist einfach stärker als sie.

Man kann damit so herrlich Mücken und lästige Zeitgenossen verjagen.

Sie heben es sich als guten Vorsatz für das nächste Jahr oder die nächste Schwangerschaft auf.

Sie schätzen die Zigarette zum Kaffee und zur Entspannung.

Die beste Freundin oder der Partner raucht auch


Doch alle Schreckensmeldungen bedeuten nicht, daß die Raucher mit Sicherheit in der zweiten Lebenshälfte dahinsiechen und früher sterben werden. Es besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Das läßt sich ausgleichen – durch maßvolles Verhalten beim Rauchen selbst und durch Kompensation durch besonders gesundheitsbewußtes Verhalten auf anderen Gebieten. Wer schon mehrere vergebliche Entwöhnungsversuche hinter sich hat, für den ist es vielleicht eine erfolgversprechendere Strategie, die Folgeschäden zu vermeiden.

Manche gehen davon aus , daß maßvolles Rauchen bei ansonsten gesunder Lebensweise das eigene Wohlbefinden nicht stärker gefährdet als es viele Nichtraucher mit ihren Gesundheitsrisiken tun. Auch Nichttraucher schlafen zuwenig, essen zu fett und auf jeden Fall das Falsche, lümmeln lieber auf der Fernsehcouch statt durch den Stadtwald zu joggen oder trinken zuviel Alkohol. Wenn Sie das Rauchen nicht lassen können oder wollen, fällt es Ihnen vielleicht leichter, die übrigen Laster aufzugeben und in der Summe gesünder zu leben als der nicht rauchende, träge und übergewichtige Buchhalter von nebenan, der gern mal ein Glas über den Durst trinkt. Immerhin zeigen die Statistiken nicht nur, daß Rauchen ungesund ist, sondern auch, daß eine nicht unerheblichen Anzahl von Rauchern gesund altert.

Den besten Beweis dafür liefert die mediterrane Lebensweise. Es ist bekannt, daß die Menschen in den Mittelmeerländern – besonders dort, wo fern vom Tourismus die ursprüngliche Lebensform beibehalten wurde – bis zu fünfmal seltener an Krebs oder Herzinfarkt erkranken. Und das, obwohl insbesondere die Männer im Durchschnitt mehr rauchen als die Deutschen. Der rauchende Kreter oder Südfranzose ist in aller Regel gesünder als der nichtrauchende Nordeuropäer. Es handelt sich dabei nicht nur um eine Frage der Ernährung (mehr Obst, Gemüse und Olivenöl), sondern um eine insgesamt geruhsamere und genußfreudigere Lebensweise, zum Beispiel:

ein langsameres Lebenstempo, auch beim Essen und Rauchen,

ein ausgewogener Wechsel von Anstrengung und Entspannung ("Siesta"),

der regelmäßige Wechsel von Genuß und Verzicht,

mehr soziale Kontakte, weniger Vereinzelung und Einsamkeit,

geringere Siedlungsdichte, mehr Natur in der Wohnumgebung,

starke heimatliche Bindungen,

mehr körperliche Bewegung,

viele Stunden an der frischen Luft,

viel Sonne, die die Produktion des Stimmungshormons Serotonin ankurbelt.

Mediziner und Gesundheitsratgeber hatten bisher auf die Probleme der Raucher nur eine Alles-oder-Nichts-Antwort. Für sie gibt es einerseits die Nichtraucher – das sind die Guten – und Menschen, die es noch nicht sind und deshalb bald werden müssen. So wurde Nichtrauchen geradezu zu einem moralischen Gütesiegel erklärt, an dem sich die Tugendhaften von den Lasterhaften scheiden. Und das, obwohl die Zahl der rauchenden Ärzte und Krankenschwestern nicht gerade klein ist...

 




 
 
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